Unsere  ausstellungsberechtigten  Künstlerinnen  und  künstler

Alle Künstlerinnen und Künstler sind alphabetisch aufgelistet und präsentieren sich mit Namen, Anschrift, Kontaktdaten und einem typischem Werk .


NACHRUF

Ihr Leben war Weben

Gisela Schröder Fröhlich 

19.7.1939 – 7.9.2021

 

Mit Gisela Schröder-Fröhlich verliert der IBC Überlingen eines seiner engagiertesten Mitglieder, langjährige Leiterin der Fachgruppe Bildende Kunst 1999 – 2005, Ehrenmitglied und Initiatorin der Galerie Gunzoburg.

 

Ihre Kunst galt dem Textil.  Nach Ausbildung als Weberin und Studium des Textildesigns folgten Tätigkeiten in der Industrie in Europa (hier entwarf sie u.a. Stoffe für Sitzbezüge der Lufthansa) und den USA. 1977 eröffnete sie eine eigene Handweberei auf der Reichenau,1987 siedelte sie nach Überlingen Goldbach, wo sie Lehrlinge ausbildete und überwiegend Gebrauchstextilien herstellte. Ab 1988 war sie als Beraterin für Textil der GTZ in Bolivien, Guatemala, Nepal und Polen. Von 1994 bis 1998 betrieb sie ihre eigene Weberei in der Gunzoburg, später im Keller ihres Hauses in Hödingen. Mit Künstlerkollegen gründete sie die „Form”, eine Messe für hochwertiges Kunsthandwerk in Ludwigshafen. Nach dem Tod ihres Mannes vor einigen Jahren öffnete sie noch vor drei Jahren im Keller ihres Hauses eine kleine Werkstattgalerie.

 

1990 bis 1993 leitete sie den VBKW, stand dem Bundesverband Kunsthandwerk vor, 1999 bis 2005 dann der Fachgruppe der Bildenden Kunst im IBC Überlingen.

 

War Gisela Schröder-Fröhlichs Tätigkeit zunächst hauptsächlich der kunsthandwerklichen Herstellung von Textilien geprägt, widmete sie sich ab den 80er Jahren in erster Linie der Kunst. Sie schuf auf dem großen Webstuhl – zum Schluss mit abnehmender Körperkraft nur noch auf einem kleinen Webrahmen – textile Bilder von der Miniatur bis zum großen Wandbehang. Ihre Motive stammten aus eigner Anschauung, vor allem Landschaften, auch Florales, materialbedingt nahe an der Abstraktion, aber auch rein gegenstandslose Motive. Lebendigkeit erhalten ihre Bilder durch die Verwendung unterschiedlicher Fäden wie Wolle, Mohair, Alpaka, Seide, ausschließlich Naturmaterialien, was zu differenziert strukturierten Oberflächen führt. Auch Gold- und Silberfäden und Perlen setzte sie ein. Untrüglich war ihr Gespür für die Farben und deren kompositorische Umsetzung.

 

Die bildnerische Tätigkeit am Webstuhl setzt, anders als in der Malerei ein großes Vorstellungsvermögen voraus, das es im Laufe von Wochen in ein fertiges Bild umzusetzen gilt. Künstlerische Korrekturen sind während der Arbeit nur schwer machbar. Ihre Werke zeugen von einer großen Meisterschaft in ihrem Fach.

 

Ihre Überzeugung, Kunst und Kultur seien wichtige Antriebskräfte für einen Wandel in unserer Gesellschaft, machte sie zu ihrem Leitfaden. Auf ihre Initiative hin übernahm der IBC im Jahr 2000 die Gunzoburg als Galerie. Trefflich streiten ließ sich mit ihr über die eigentlich gar nicht in Frage stehende Gleichwertigkeit von Kunst und Kunsthandwerk, letzteres empfand sie als stets von der Kunst ein wenig belächelt. Kämpferisch trat sie für ihre Überzeugung ein.

 

Ihr Auftreten war bis zuletzt immer stilvoll, extravagant gekleidet in von eigner Hand hergestellten Stoffen. Nach langer, geduldig ertragener Krankheit ist sie am 7.9.2021 in Überlingen verstorben.

 

Kornelius Otto